Wie Hewlett Packard Enterprise die Bildungsarbeit neu ausrichtet (CLO Webinar)

Vor einigen Wochen fand im Rahmen der Webinar-Reihe von CLO Magazin ein Webcast zum Thema „Embracing disruption: how one multinational is changing its approach to learning“ statt. Rebeka Harvey und Robert Robertson berichteten über die laufende Neuausrichtung der Bildungsarbeit bei Hewlett Packard Enterprise (hpe) und über die Ausgestaltung der Pilotierungen dazu. Der Bericht zu den Pilotierungen war so detailliert und aufschlussreich, dass ich beschlossen habe, Kernpunkte in diesem Post zusammenzufassen. Ich denke, dass viele Bildungsorganisationen, die sich auf einen vergleichbaren Weg machen wollen, davon profitieren können.

Zielsetzungen

Vor dem Hintergrund der aktuellen Veränderungen in der Arbeits- und Lernwelt hatten sich die internen Bildungsverantwortlichen bei hpe folgende Ziele gesetzt:

  • mehr personalisierte Lernangebote
  • Integration von formalem und informellem Lernen
  • „Mobile first“ als Grundprinzip für online Lernangebote
  • mehr Video-basierte Inhalte und weniger Text-basierte Inhalte
  • mehr Kuratieren von Lerninhalten, weniger erzeugen von Lerninhalten
  • Lernangebote auf Abruf bei Bedarf (und nicht nach geplantem Termin)
  • eine integrierte Lernplattform an Stelle von mehreren Plattformen

Neue Lernplattform

Bei Hewlett Packard hat man mit Blick auf diese Zielsetzungen nach einer neuen Lernplattform gesucht, die diese Programmatik gut unterstützen kann und im sich Rahmen eines Auswahlprozesses für die Plattform edcast entschieden.

edcast wird als „Knowledge Media Platform“ und als „Learning Experience Platform“ positioniert. Eine zentrale Rolle spielt die Integration von Inhalten aus verschiedensten Quellen:

  • Inhalte von Drittanbietern wie z.B. Verlagen oder MOOC-Plattformen
  • Inhalte aus dem WWW (z.B. Webseiten und Weblogs)
  • In der Plattform erstellte Inhalte wie Live Streams, Lernpfade oder sogenannte „SmartBites“

Diese Inhalte können nach Profil bzw. Rolle sowie nach Themen gefiltert werden, man kann Personen (und ihren Inhalten) folgen, eine Redaktion kann Empfehlungen zusammenstellen und dann können auch auf der Grundlage der eigenen Nutzungsmuster Empfehlungen erfolgen.

Pilotierungen

Um die Leistungsfähigkeit der neuen Plattform zu testen, Erfahrungen im Umgang damit zu sammeln (z.B. wie viel Zeit braucht es, um einen Video-Kanal zu kuratieren) und gute Praktiken bei der Unterstützung der neuen Lernformen zu entwickeln, wurden im Anschluss Pilotierungen durchgeführt. Dabei standen vier Zielgruppen mit insgesamt ca. 1’000 Teilnehmenden im Vordergrund:

  • Teamleitungen (erste Ebene Führungskräfte)
  • das „Netzwerk junge Mitarbeitende“
  • Learning Professionals
  • Spezialisten für Datensicherheit

Bei der Umsetzung der Pilotierungen wurde besonders auf die Ausgestaltung der folgenden Aspekte geachtet:

  • Unterstützung durch Führungskräfte
    Unter den Führungskräfte der ausgewählten Zielgruppen wurden um eine Unterstützung der Piloten geworben, insbesondere mit Blick auf zwei Aspekte:

    • Wer soll an den Pilotierungen teilnehmen?
    • Besteht die Bereitschaft, später das breitere Ausrollen der Lösung im Unternehmen zu unterstützen?
  • Kommunikationsplan
    Der Kommunikationsplan für die Pilotierungen umfasste die folgenden Elemente:

    • Begrüssungsnachricht an alle Teilnehmenden der Pilotierungen, u.a. mit Hinweisen dazu, warum L&D diese Pilotierung durchführt und was die Teilnehmenden erwartet;
    • Umfrage unter den Teilnehmenden hinsichtlich ihrer Wahrnehmung des L&D-Teams (als Basismessung für spätere Vergleiche) und ihrer inhaltlichen Interessen (als Grundlage für die initiale Befüllung der Plattform);
    • Nachricht zum Start der Lernphase mit Login-Informationen zur Plattform;
    • Erinnerungsmails (automatisiert und zeitlich gestaffelt), um zögerliche Mitglieder der Zielgruppe zur Nutzung der Plattform zu bewegen;
    • Erster Arbeitsauftrag, z.B. verfügbare Ressourcen erkunden, einer bestimmten Person folgen, etc.
  • Beobachtung von Erfolgskriterien
    Über zeitlich gestaffelte Kurzumfragen wurden Daten zu den zuvor definierten Erfolgskriterien generiert:

    • 2 Wochen vor Freischaltung der Plattform:
      • Präferenzen zu Inhalten (vgl. oben)
      • Bewertung der Arbeit des L&D-Teams (vgl. oben)
    • 6 Wochen nach Freischaltung der Plattform:
      • Welche Aktivitäten laufen über die Plattform?
      • Wie kann das Nutzererleben weiter verbessert werden?
    • Am Ende der Pilotphase
      • Bewertung der Arbeit des L&D-Teams (vgl. oben) im Vergleich mit einer Kontrollgruppe
  • Support-Infrastruktur für die Pilotphase
    Für die Durchführung der Pilotierungen konnte nicht auf die regulären Support-Teams bei Hewlett Packard zurückgegriffen werden. Aus diesem Grund wurde für die Pilotphase eine eigene Support-Infrastruktur mit den folgenden Elementen aufgebaut:

    • Ressourcenseiten zur Selbstbedienung auf Sharepoint
      (FAQ-Seiten; How-to videos; etc.);
    • Online Foren / Gruppen (auf Yammer) für Teilnehmende einerseits und Kuratoren andererseits.
  • Erste Erfahrung der Nutzer mit der Plattform
    Um eine positive erste Erfahrung der Nutzer mit der neuen Plattform zu unterstützen, wurden die folgenden Aktivitäten umgesetzt:

    • bei der ersten Anmeldung erhalten die Teilnehmenden einen kleinen ersten Auftrag;
    • die Teilnehmenden werden automatisch Kanälen mit für sie passenden Inhalten zugewiesen;
    • Vorbefüllung der Plattform mit Inhalten gemäss Ergebnissen der Vorab-Umfrage (vgl. oben);
    • Koordinierte, gleichzeite Einladung von ganzen Gruppen, damit die Nutzer sofort ihre Peergruppe im System sehen bzw. finden können;
    • Umfrage zu den ersten Erfahrungen der Nutzer (Passen die Inhalte? Werden die Erwartungen an die neue Lernumgebung erfüllt?)

Lernerfahrungen

Harvey und Robertson gruppieren wichtige Lernerfahrungen des PE-Teams bei hpe unter die Rubriken „Menschen“, „Prozesse“ und „Systeme“.

  • Menschen
    • Eine überraschende Einsicht des PE-Teams war, dass die Kulturveränderung zum Teil gar nicht so herausfordernd ist: „to a large extent the organization was already there before L&D got there“ (die Organisation und die Menschen haben schon auf ein neues Angebot gewartet; sie kannten zum Teil bereits Lern- und Entwicklungsangebote Angebote ausserhalb des Unternehmens, die sie viel besser fanden, als das, was L&D ihnen bisher bieten konnte).
    • Herausforderung „Kuratieren“
      Die Learning Professionals (Kurs- / Bildungsverantwortlichen) sind häufig der Meinung, dass sie die Arbeit des Kuratierens gar nicht leisten können: „Ich bin kein Fachspezialist. Woher soll ich wissen, welche Inhalte / Fundstücke für diese Zielgruppe wirklich relevant sind?“ Hier ist es wichtig aufzuzeigen, dass Learning Professionals in der Regel nicht bei 0 beginnen. Sie können auf dem Aufbauen, was sie bereits über ihre Zielgruppen wissen, Ergebnisse von Vorabfragen unter der Zielgruppe nutzen und darüber hinaus auch Datenauswertungen bzw. Zugriffsstatistiken für die weitere Ausgestaltung von Inhalte-Bibliotheken nutzen.
  • Prozesse
    • Hier war eine wichtige Einsicht, dass die Arbeit mit der neuen Plattform so einfach wie nur möglich sein muss. Mitarbeitende kennen Facebook und andere Plattformen und erwarten eine ähnlich einfache Bedienung.
    • Mit der zunehmenden Bedeutung von kuratierten Inhalten verlieren klassische WBT an Bedeutung. Bei hpe  verringerte sich die Zahl der im LMS verfügbaren klassischen Lernressourcen (vor allem WBT) für verschiedene Fachgebiete dramatisch. Beispielsweise für das Fachgebiet Projektmanagement von 162 (Q1 2015) auf 47 Anfang (Q1 2017) und aktuell nur noch 13 (Q2 2017) – also um über 90%.
  • Systeme und Integration
    • Das Ziel, den Nutzern einen besseren Nutzwert zu bieten als die Suche nach Ressourcen bei Google lässt sich nur erreichen, wenn ausgewählte und für gut bzw. relevant befundene (= kuratierte) Inhalte an einer einzigen Stelle gesucht und gefunden werden können. Deshalb ist es wichtig, dass Suchen über alle Typen von Inhalten laufen, ganz gleich, ob es sich dabei um von L&D erstellte Inhalte, um Inhalte aus Bibliotheken von Drittanbietern oder um Inhalte aus verschiedensten technischen Systemen handelt. Diese verschiedenen Ressourcensammlungen bzw. Bibliotheken müssen für die Nutzer wie eine einzige grosse Bibliothek erscheinen.

Folien zum Webinar:
http://www.slideshare.net/humancapitalmedia/embracing-disruption-how-one-multinational-is-changing-its-approach-to-learning

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