Informationskompetenzen: Erste Ergebnisse unserer Bodenseestudie

Informationskompetenz (IK) definieren wir als eine grundlegende digitale Kompetenz, als die Fähigkeit problembezogen Informationsbedarf zu erkennen, Informationsquellen auszuwählen, auf diese zuzugreifen, Informationen zu strukturieren, auszuwerten und zu beurteilen, Informationen zu nutzen und zu präsentieren sowie den Informationsprozess und die Informationsergebnisse zu reflektieren. Neu in unserem Projekt ist, dass wir auch Social Media Quellen als Informationsquellen mit betrachten.

Unser interdisziplinäres und länderübergreifendes Projekt hat das Ziel, ein Instrument zur Messung und Förderung der Informations-und SocialMedia-Kompetenz in Sekundarschulen zu entwickeln und in der Schulpraxis zu etablieren. Im November und Dezember 2016 wurde der Fragebogen zur Messung der Informations-und SocialMedia-Kompetenz auf einer breiten empirischen Basis überprüft: Insgesamt nahmen 434 Schülerinnen und Schüler aus 22 Schulklassen an der Befragung teil: 108 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, 94 aus Österreich, 198 aus der Schweiz und 34 aus Liechtenstein. Die Hauptstudie werden wir nun im Frühjahr durchführe.

Zentrale Ergebnisse:

  1. Schüler und Schülerinnen verwenden immer mehr Whatsup, Snapchat, Instragram -> weniger Facebook und Twitter. Die meisten Nachrichtenkanäle gehen allerdings auf Facebook und Twitter -> das bedeutet: die neuen Nachrichtenkanäle gehen an den Jugendlichen vorbei
  2. Die objektive Informationskompetenz (Jugendliche beantworten Fragen und liefern somit Hinweise auf ihre Kompetenz) ist tiefer als ihre Selbsteinschätzung (der Gap ist bei Jungen ausgeprägter als bei Mädchen). Die subjektive Informationskompetenz ist bei allen Schultypen gleich gut/ schlecht (bei ca. 56 % recht gleich). Die objektive Informationskompetenz ist etwas tiefer bei berufsbildenden Schulen ohne Abitur/ Matura.
  3. Wikipedia ist besser als ihr Ruf -> Jugendliche, die Wikipedia im Unterricht nutzen, haben eine höhere objektive IK – gleiche Effekt stellen wir fest für bei der Nutzung von Youtube und Blogs. Jugendliche, die sich auf WhatsApp über Schularbeiten austauschen, weisen ebenfalls eine höhere Kompetenz auf und fühlen sich auch kompetenter.

Foliensatz zu den Ergebnissen der ersten ländervergleichenden Studie

3 Comments

  1. Veröffentlich von Bruno Wicki am 15. März 2017 um 16:18

    Sehr spannend; zeigt sich ähnlich wie bei den Schindler Lernenden 🙂

  2. Veröffentlich von dalozza am 21. September 2017 um 12:37

    Hallo Frau Seufert, Sie haben einige Ergebnisse dieser interessanten Studie an letzten Forum Zukunft Bildung in Zürich vorgestellt und ich wollte mich noch etwas detailierter darüber informieren. Vielen Dank für Ihr spannendes Referat!
    Ich frage mich, ob für Lernende nicht evtl. ein Konflikt bei der Nutzung von Social Media Tools wie Instagram, Snapchat und Facebook für schulische Zwecke besteht. Schliesslich dienen diese Plattformen auch dazu, sich eine oder auch mehre digitale“ Identität/en zu schaffen, die evtl. von der Realität (in der Schule) abweichen können. Ich könnte mir daher gut vorstellen, dass es zu Interessenskonflikten führt, wenn Lernende, insbesondere Teenager, gebeten werden, diese eher privaten Kanäle für schulische Zwecke zu nutzen. Vielleicht sollte die Schule private Kanäle auch privat belassen?
    Plattformen wie Wikipedia, YouTube und Twitter scheinen mir einen anderen offeneren Charakter zu haben und sind nicht so sehr mit einer digitalen Identität und einem Netzwerk verknüpft wie etwa Instagram oder Facebook.

    Zudem stellt sich mir noch eine andere Frage, die Sie mir evtl. beantworten können. Einige Ergebniss in der Studie deuten darauf hin, dass die Nutzung von Social Media Tools die Informationskompetenz der Lernenden beeinflusst. Führt folglich Ihrer Meinung nach die Nutzung gewisser Tools für das Lernen bereits zu einer Förderung der digitalen Kompetenz der Lernenden? Oder braucht es dazu mehr? Was wäre Ihre Empfehlung an Schulen, oder in meinem Fall Hochschulen, um die Informationskompetenz der Lernenden nachhaltig zu fördern?

    • Veröffentlich von Sabine Seufert am 22. September 2017 um 08:50

      Hallo Frau Lozz, Vielen Dank für Ihre positive Rückmeldung zum Referat – das freut mich. Ich bin da ganz Ihrer Meinung, die Nutzung von „privaten Kanälen“ wie Whatsup oder Instagram ist ein „trade-off“: sicherlich ist es einfach (Convenience), darüber erreicht man ganz sicher die Schüler und Schülerinnen. Aber ich sehe genauso wie Sie potenzielle Spannungsfelder durch Überschreiten Schule – Privat. Zu Ihrer zweiten Frage: die einfache Nutzung von Tools führt nicht per se zu einer höheren Informationskompetenz – das wäre eine schlechte Schlussfolgerung. Was wir vielmehr aus den Daten heraus gelesen haben, ist eher umgekehrt: Die Nutzung von Wikipedia insbesondere bedeutet nicht, dass die SchülerInnen eine geringere Informationskompetenz haben, im Gegenteil (also Wikipedia macht nicht „dumm“ – oder man könnte auch die These aufstellen „Wikipedia ist good enough“ – wir stellen in den Schulen solche Aufgaben, in denen häufig Wikipedia reicht). Wir würden Lehrpersonen jedenfalls empfehlen, häufiger mit Social Media Quellen zu arbeiten, gemeinsam zu bewerten und die Nutzung reflektieren – also aktiv die Information Literacy zu fördern. Herzliche Grüsse, Sabine Seufert

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