Kompetenzen für Bildungsverantwortliche (I4PL / CSTD 2016)

Das ‚Institute for Performance and Learning‚ (I4PL, früher ‚Canadian Society for Training and Development‘, CSTD) hat kürzlich eine neue Version seines Kompetenzkatalogs für ‚learning professionals‘ publiziert. Rob Pearson, CEO von I4PL, war im Dezember 2016 an der Online Educa in Berlin und hat dort über Veränderungen bei den Rollen von ‚learning professionals‘ / Bildungsverantwortlichen gesprochen.

Das neue Kompetenzmodell von I4PL umfasst neu sieben Bereiche. Im Unterschied zu früheren Versionen (Link zur Version von 2010) steht jetzt der neue Kompetenzbereich „Zusammenarbeit mit (internen oder externen) Kunden“ im Mittelpunkt (vgl. Abbildung), da es hier wichtige Querverbindungen zu allen anderen Kompetenzbereichen gibt. Zudem wurde der zuvor als „Designing“ bezeichnete Kompetenzbereich in zwei Bereiche differenziert: in „designing curricula“ und in „designing learning experiences“. Darüber hinaus wurde die Terminologie angepasst: so wird jetzt zum Beispiel nicht mehr von ‚training‘ gesprochen, sondern von ‚learning experiences‘ – damit sind z.B. Formate wie Leistungsunterstützung am Arbeitsplatz, Coaching oder kollegiale Fallberatung eingeschlossen.

Bildquelle: I4PL; performanceandlearning.ca

Das Kompetenzmodell ist mehrstufig aufgebaut, mit jeweils einer handvoll Kompetenzen pro Bereich, darunter liegenden unterstützenden Kompetenzen und darunter verorteten Fertigkeiten:

In den einzelnen Bereichen werden folgende Kompetenzen zusammengefasst:

  • Assessment Performance Needs
    • Prepare to assess
    • Identify performance gaps
    • Determine causes of performance gaps
    • Identify requirements for closing gaps
    • Validate next steps and measures
  • Designing curricula
    • Identify goals, principles and constraints
    • Create preliminary roadmap for curriculum
    • Design detailed roadmap for curriculum
    • Prototype curriculum components
    • Prepare to implement and sustain curriculum
  • Designing learning experiences
    • Conduct design analysis
    • Establish learning objectives and evaluation
    • Create detailed design
    • Develop materials
    • Support implementation
  • Facilitating Learning
    • Prepare to facilitate
    • Create learning environment
    • Engage learners
    • Foster learning
    • Assess learning
  • Supporting transfer of learning
    • Design transfer of learning
    • Implement support for transfer of learning
  • Evaluating learning
    • Evaluate learner reaction
    • Evaluate learning objectives
    • Evaluate transfer of learning
    • Evaluate business results
  • Partnering with clients
    • Demonstrate awareness of client organization
    • Support clients in making effective choices
    • Develop agreements with clients
    • Manage changes throughout a project
    • Interact effectively

Im Hinblick auf den neuen, zentral platzierten Kompetenzbereich „Zusammenarbeit mit Kunden / Partnern“ gab es bei der Entwicklung des Kompetenzmodells unter anderem Diskussionen darüber, in welcher Weise Projektmanagement-Kompetenzen integriert werden sollten. Es wurde schliesslich entschieden, hier sehr stark zu fokussieren und diese in Form der Teilkompetenzen „Vereinbarungen mit Kunden / Partnern“ und „Management von Veränderungen im Laufe eines (L&D-)Projekts“ zu integrieren.

Intensiv diskutiert wurde auch, inwiefern Innovation und Veränderung in den Aufgaben- und Kompetenzkatalog hineindefiniert werden sollten. Schliesslich einigte man sich darauf, die entsprechende Kompetenz als „Support clients in making effective choices“ zu formulieren und darunter eine Subkompetenz „Support stakeholders in promoting solutions within their organizations“. Das Vorantreiben von Innovationen und Veränderungen wird also nicht direkt als Aufgabe und Teil der Rolle von ‚learning professionals‘ formuliert; vielmehr sollen learning professionals andere ‚change agents‘ dabei unterstützen können.

Im Vergleich mit dem 2013 von der US-amerikanischen Association for Talent Development (ATD) publizierten Kompetenzmodell (vgl. hierzu ein Blogbeitrag auf scil-blog.ch) fällt auf, dass nicht nur die Grundstruktur deutlich anders ist (beim ATD-Modell sechs „foundational competencies“ und 10 „areas of expertise“, sondern dass auch eine andere Terminologie verwendet wird. Im ATD-Modell ist z.B. „Instructional Design“ und „Training Delivery“ die Rede, beim I4PL-Modell von „Designing learning experiences“ und „Facilitating learning“.

 


Verweise

Aufzeichnung eines Webninars zur Präsentation des neuen I4PL-Kompetenzmodells: https://vimeo.com/192015395

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