Das St.Galler Business Innovation Model – wo „Lernen“ verorten?

BI-ModelSammelband Business Innovation

Der Sammelband ist nun endlich erschienen – getragen vom Profilbereich „Business Innovation der Universität St.Gallen“! Mehr als drei Jahre hat die Zusammenarbeit im Profilbereich gedauert, der Sammelband ist eines der gemeinsamen Ergebnisse, das daraus entstanden ist. Mit dem Profilbereich an der HSG wurde angestrebt, die F&E-Aktivitäten zu bündeln – sich gemeinsam im Bereich „Business Innovation (BI)“ zu verbinden – BI als ein interdisziplinäres und mehrdimensionales Phänomen zu klären.

In der Einleitung des Sammelbandes heisst es:

„Business Innovation bestimmt den Herzschlag der Wirtschaft – und berührt zahlreiche Disziplinen der Betriebswirtschaft. „Innovation Management“ und „Business Models“ gehören heute zu den etablierten betriebswirtschaftlichen Forschungsobjekten. Das zeigt: Innovation, Veränderung, Fortschritt, Wandel, Geschäftsideen und Erlösmodelle haben eine besonders hohe Bedeutung für die Praxis und damit auch die Forschung. Dennoch ist der Begriff „Business Innovation“ noch wenig etabliert. …

Unsere Definition:

„Business Innovation ist die systematische Planung, Steuerung und Kontrolle von Innovationen in und zwischen Organisationen. Gegenstand der Innovationen sind Produkte und Dienstleistungen, Prozesse und Geschäftsmodelle.“
Basierend auf dieser Definition wurde ein Rahmenmodell, neudeutsch „Framework“ erarbeitet, das die Vielfältigkeit des Begriffs – und der damit verbundenen Managementaufgaben aufzeigt.

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Die Diskussion mit meinen Kollegen (über 10 Professoren waren beteiligt) war durchaus spannend, unsere HSG Kultur ist inspirierend, geprägt von gegenseitiger Wertschätzung. Als das Rahmenmodell stand, war es interessant zu sehen, wo „mich“ meine Kollegen mit meinem Lehrstuhl „Wirtschaftspädagogik, insbes. pädagogisches Innovationsmanagement“ denn verorten. Sie haben unseren Teambeitrag „Steigerung der Lern- und Innovationsfähigkeit von Unternehmen und Organisationen“ zunächst unter die Dimension „Methoden – Tools“ getan, da könnte ich meine didaktischen Methoden gut unterbringen. An der HSG bin ich verantwortlich für den Studiengang Wirtschaftspädagogik – da bilden wir Studierende zu Lehrpersonen in der Schule sowie zu Bildungsverantwortlichen in anderen Organisationen aus. Für mich ist es daher absolut nachvollziehbar, dass man von Kollegen vor allen Dingen als „Didaktikerin“ wahrgenommen wird. Das Handlungsfeld „Bildungsmanagement“ und dann auch noch insbesondere als „innovationsorientiertes Bildungsmanagement“ ist selbst in der Wirtschaftspädagogik noch neu und muss sich erst noch stärker etablieren – da kann ich es meinen Kollegen kaum verübeln, dass „Lernen“ im Kontext von Innovationsfähigkeit doch noch primär im Sinne von „didaktischen Methoden“ verstanden wird. Im Zuge der Diskussion war es kein Problem, unseren Beitrag in die Dimension „Organisation – Kultur“ zu verorten. Daraus ist folgende Beschreibung in der Einleitung entstanden, mit der ich nun wirklich gut leben kann – „Danke – Verortung gelungen“ !

„Ein weiterer wichtiger Zugang zur Innovationsfähigkeit einer Organisation stellen deren Lernbereitschaft und –fähigkeit dar. Häufig wird hier vor allem die Veränderungsbereitschaft und fähigkeit einer Organisation adressiert -, denn Lernen ist immer auch mit Veränderung verbunden. Innovation macht umgekehrt regelmässig Veränderung notwendig. Durch Lernen – auf der individuellen, der Team- und der organisationalen Ebene – öffnet sich das Unternehmen für neuartige Impulse. Um die Lern- und Innovationsfähigkeit einer Organisation zu fördern, ist es einerseits nötig, Lernbarrieren abzubauen (wie etwa starre Strukturen, fest etablierte Normen oder „Groupthink“). Andererseits kann die Entwicklung von Fähigkeiten gezielt vorangetrieben werden – durch Personal- und Organisationsentwicklung. Dabei sollten insbesondere die Fähigkeiten der Führungspersonen nicht unterschätzt werden. Denn Führungsunterstützung ist ein wesentlicher Treiber der Business Innovation – sei es im Rahmen des Entrepreneurship, in eigentümergeprägten KMUs oder in der Offenheit für innovationsfördernde Methoden und Prozesse.“

PE&OE

3 Comments

  1. Veröffentlich von Frank Vohle am 4. Februar 2016 um 09:50

    Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag! Die unterschiedlichen Lernebenen finden sich nicht nur in der Wirtschaft; auch in der verbandlichen, gemeinnützigen Sportentwicklung (Social Business 🙂 haben wir sehr ähnliche Erfahrungen gemacht: Lernen auf der Mikroebene der Tools, auf der Ebenen der Lernphasen im Blended Learning-Verfahren, auf der Ebene der kursübergreifenden Community mit eher informellen Charakter und auf regionaler und bundesweiter Ebene, in der es primär um den Austausch von Bildungsressourcen geht mit evolutionärer Entwicklung von Standards. Und, ist das alles Didaktik? Seit Flechsig ja, aber in den Köpfen der Menschen sind es noch verschiedenen Baustellen (Didaktik, Management, Kultur, Organisation, Region), die eher von den Organigrammen herrühren. Aber erst, wenn man die Gemeinsamkeiten UND UNTERSCHIEDE der Spielarten des Lernens in den unterschiedlichen Ebenen sichtbar macht und ihr Zusammenwirken (top down, botton up, Kopplung) im Blick hat, entsteht eine neue Qualität, die man auch als Kohärenz bezeichnen kann vgl Letiche & Lissack (coherence in the midst of complexity).

  2. Veröffentlich von Bruno Wicki am 4. Februar 2016 um 21:59

    Gratuliere zu diesem spannenden Sammelwerk, das in einer interdisziplinären Zusammenarbeit entstanden ist und du mit der Wirtschaftspädagogik ein wichtiger Platz „verortet“ hast.

  3. Veröffentlich von Roland Brunner am 5. Februar 2016 um 09:47

    Gratuliere zu diesem Sammelband. Schön zu sehen wie das erforderliche Zusammenwirken der verschiedenen Ebenen und Bereiche sichtbar gemacht wird. Danke für den Beitrag.

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