Videos als Lernressourcen: besser handhabbar durch neue Webservices

Filme (und Videos) sind spätestens seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts (Stichworte hier: Videorekorder und Schulfernsehen) ein Bestandteil des breit verfügbaren Medienmixes für Lehr-Lernprozesse. Filme und Videos werden insbesondere wegen ihres Potenzials, vergleichsweise direkte und authentische Erfahrungssituationen zu ermöglichen (z.B. durch filmische Dokumentationen zur Arbeitstechnik traditioneller Schmiede in Afrika, zum Ablauf der Endkontrolle beim einem Hersteller von Nutzfahrzeugen oder auch durch Interviews mit Vertretern verschiedener Anspruchsgruppen in einem urbanen Transformationsprozess).

Dummerweise sind Filme und Videos bisher sehr sperrige (Lern-)Medien gewesen. Zwar konnt man mit Videorekordern und kann man bei der Betrachtung von Videos am PC vergleichsweise einfach anhalten, zurückfahren und neu starten. Aber für eine intensive individuelle Bearbeitung, wie wir es beispielsweise anhand von Texten (analog und digital) gewohnt sind (Kommentare auf dem Seitenrand, Hervorhebungen), fehlten lange Zeit die Werkzeuge. Dies beginnt sich langsam zu ändern.

Das erste nicht-professionelle Werkzeug zur digitalen Annotation von Videos, dem ich vor einigen Jahren begegnet bin, war Vertov, ein plug-in für das Literaturverwaltungswerkzeug Zotero. Das war allerdings vor der Zeit von YouTube und es konnten nur Video in verschiedenen Quicktime sowie mp3 und wav-Formaten verarbeitet werden. Mittlerweile ist YouTube zum unüberschaubar grossen Universum für Videoinhalte im WWW geworden. Und darüber hinaus sind im Rahmen der Angebote von Coursera, Udacity, edX oder der Khan-Academy ungezählte Lehrvideos im WWW verfügbar. Beide Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass ein zunehmender Bedarf an Werkzeugen entsteht, mit denen sich Videos für Lehr-Lernzwecke exzerpieren und annotieren lassen.

Ein Beispiel: Im Rahmen der Ausbildung von Lehrpersonen werden häufig Videoaufzeichnungen von Lehr-Lernsequenzen erstellt – etwa im Rahmen sogenannter „Microteachings“, bei denen es darum geht, eine 5-10 minütige Lernsequenz zu gestalten. Bisher wurden diese zwar oft aufgezeichnet, konnten aber hinterher nicht wirklich gut analysiert und verarbeitet werden.

Heute können mit Tablet-PCs oder Smartphones einfach Aufzeichnungen erstellt, auf YouTube hochgeladen und von dort aus weiter verwendet und verarbeitet werden. Auch mit YouTube können Ausschnitte definiert und einfache Annotationen ergänzt werden. Weitergehende Bearbeitungsmöglichkeiten bieten etwa videonot.es oder VideoANT, Webservices zur punktgenauen Annotation von Videos, mit denen sich beispielsweise Inhaltsübersichten zu Videos erstellen und Sprungmarken zu interessanten Stellen im Video erstellen lassen. Oder mit ThingLink, einem Webservice, mit dem man Bilder und Videos annotieren und dabei weitere Inhalts-Ebenen in das Video einbetten kann.

Screenshot zu Videonot.es

 

So können, um zum Beispiel zurückzukehren, Aufzeichnungen von Lehr-Lernsequenzen analysiert, mit anderen geteilt und kommentiert werden. Damit werden endlich auch Videoaufzeichnungen als Lernressourcen einfacher handhabbar. Beispiele dazu, wie solche web-basierten Analyse- und Bearbeitungsverfahren für Videos für Lernzwecke genutzt werden können, finden sich übrigens auch bei der deutschen Firma Ghostthinker.

1 Comment

  1. Veröffentlich von Frank Vohle am 1. Juli 2014 um 18:11

    Hallo Herr Meier, danke für die Verlinkung! Beste Grüße aus Wolfratshausen, Frank Vohle

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