Design Thinking im Coaching

Schon Mal etwas von Design Thinking gehört? Dieser Ansatz wird in der letzten Zeit öfters im Zusammenhang mit Coaching thematisiert (zum Beispiel in einem Artikel der Ausgabe 03/2014 von Trainingaktuell). Für Manche ist das vielleicht etwas überraschend – Design Thinking kann zur Bearbeitung von Coaching Themen eingesetzt werden. Andere Einsatzgebiete sind die Innovationsentwicklung oder die Lösung komplexer Probleme. Folgende Punkte aus dem Artikel erlauben einen Einblick in das Thema Design Thinking:

Die Kernidee des Design Thinkings wird von Kelley (einer der geistigen Väter des Design Thinkings), so auf den Punkt gebracht:

„Sei empathisch – beobachte und verstehe, was Menschen wirklich brauchen“.

Der Design-Thinking-Prozess folgt einer genau beschriebenen Prozesslogik:

Design_Thinking_Prozess

(Darstellung aus dem Artikel)

Am Anfang des Prozesses steht die Betrachtung der Fragestellung. Dabei kommen möglicherweise viele Aspekte in den Blick. Im zweiten Schritt wird der Fokus auf die konkret zu bearbeitende Herausforderung gesetzt. Danach werden Ideen dazu generiert, wie diese Herausforderung gelöst werden kann. Eine oder mehrere Ideen werden dann als Prototyp umgesetzt und dabei getestet. Der Prozess wird so lange wiederholt, bis ein passendes Ergebnis entstanden ist.

Dieser Prozess ist besonders geeignet, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  • Beteiligung von mehreren Personen
  • Behandlung von grundlegenden Fragen, wie z.B. die Entwicklung von Zielsetzungen oder einer Strategie

Dieser Ansatz unterscheidet sich durch drei Aspekte von klassischen Coaching Prozessen:

  1. Kreativität mit klarer Struktur – Einsatz einer Vielzahl an Methoden in einem klar umrissenen Prozess. Feedbackschleifen und die Wiederholung von Prozessschritten erlauben ein Weiterkommen auch dann, wenn es stockt.
  2. Aus ratsuchenden Coachees werden gestaltende Experten – Der Fokus verschiebt sich vom Reden zum Tun, vom Analysieren zum Be-greifen, vom eindimensionalen Beschreiben zum dreidimensionalen Schaffen
  3. Aus Coachs werden Facilitators – Der Coach leitet den Prozess, begleitet den Coachee bei seiner Arbeit, vernetzt die Teilnehmer untereinander. Rückmeldungen gibt es auf Wunsch.

Im Verlauf des Coaching-Prozess können beispielsweise folgende Tools verwendet werden:

  • Empathy Map: Verdeutlichung innerer Bilder, konkreter Situationen und Zusammenhänge. Zu visualisierende Fragen: Was umgibt mich? Was sehe ich? Was fühle ich? Was tue ich? Was sage ich? Welche Herausforderungen gibt es? Was habe ich bereits erreicht? Was kann ich gut?
  • Prototypen-Design: Schnelles und unkompliziertes Ausprobieren von Ideen. Prototyping hilft dem Coachee ein klares Bild der eigenen Vorstellungen zu entwickeln. Dabei müssen die Prototypen nicht immer materiell sein. Auch die Gestaltung eines Workshops kann ein Prototyp sein.
  • Storyboards: Das Durchskizzieren der weiteren Schritte. Kognitiv erarbeitete Schritte werden in kleine Grafiken umgearbeitet.

Erfolgsfaktoren des Design-Prozess:

  • Design wortwörtlich verstehen – Coachs unterstützen Coachees dabei als Designer an Themen zu arbeiten
  • Das eigene Wissen in Bereichen ausserhalb des eigentlichen Kompetenzfeldes anwenden – T-förmige Teams:

T_Design_Thinking

(eigene Darstellung)

  • Visuelles Denken – Komplexe Inhalte in Bilder umsetzen
  • In Design Thinking geschulte Coachs – Erfahrungen mit Design-Prozessen und der Erstellung von Prototypen sind erforderlich. Ebenso ist die Schaffung einer geeigneten Arbeitsatmosphäre wichtig.

Wer es spannend findet als Designer an Themen zu arbeiten, kann sich vielleicht auch vorstellen als Künstler an Themen zu arbeiten. Dieser kleine (Werbe-)Film von McKinsey und ein Artikel der Ausgabe 2/2014 des Coaching Magazins geben einen Einblick in einen weiteren überraschenden Ansatz:

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