Informelles Lernen mit social media in der betrieblichen Weiterbildung: Erfolgsfaktoren für online Lerngemeinschaften

Ende 2013 erschien ein Buchbeitrag von Sabine Seufert und mir zu einem Thema, das uns auch in 2014 weiter beschäftigen wird: die Integration von informellem Lernen in die Weiterbildung von Mitarbeitenden in Unternehmen und die Transformation von Weiterbildungsbereichen. Der Originaltitel des Beitrags lautet: „Integrating informal learning into corporate learning via social media“ und er ist in einem Sammelband mit dem Titel „Technological and Social Environments for Interactive Learning“ bei Informing Science erschienen. In dem Beitrag fassen wir die Ergebnisse unseres scil Arbeitsberichts 24 für englischsprachige Leser zusammen und entwickeln dann darauf aufbauend die Unterscheidung der drei Modalitäten „Extended Training“, „Workplace Learning“ und „Networked Learning“. Zum Schluss zeigen wir Entwicklungsperspektiven für L&D in Unternehmen und Organisationen auf: aus unserer Sicht sollten L&D-Bereiche sowohl das Potenzial von social media für das Management von L&D explorieren als auch das Potenzial für die Weiterentwicklung von Trainings und Lernangeboten. Perspektivisch kann das auf die Gestaltung einer partizipatorischen Lernkultur hinauslaufen, in der Lernaktivitäten effektiv und effizient durch social media unterstützt werden.

Social-media-for-L&D_01

Eine Facette dieses Entwicklungsprogramms haben wir in einer zweiten Publikation entwickelt.

Im aktuellen Heft 01/2014 von Wirtschaft und Weiterbildung findet sich einen kurzen Beitrag von uns zu den Erfolgsfaktoren für online Lerngemeinschaften (vgl. dazu auch unseren Blogpost vom 18.12. und die dort eingebundenen Präsentationsfolien). Wir, das sind in diesem Fall Lars Satow von SAP AG, meine Kollegin Tanja Fandel-Meyer und ich.

In der innerbetrieblichen Weiterbildung und auf Seiten von Weiterbildungsanbietern wird ja oft danach gefragt, wie online Lerngemeinschaften das bisherige Portfolio der Lernformen ergänzen und informelle Lernprozesse ermöglichen können. Klar ist, dass es nicht genügt, eine technische Plattform anzubieten und dann zur Vernetzung und zum Austausch aufzufordern.

Ausgehend von einer Literaturanalyse haben wir 29 Erfolgsfaktoren in vier Dimensionen (Nutzen, Personen, Moderation & Interaktion, technische und organisatorische Unterstützung) unterschieden. Diese Übersicht zu Erfolgsfaktoren bilde dann den Hintergrund zu einer Analyse von zwei verschiedenen online Lerngemeinschaften:

  1. Die SAP Training & Education Community (http://scn.sap.com/community/training-and-education) wurde 2012 als offene Austauschplattform zu allen Themen rund um die Schulungs- und Trainingsangebote von SAP ins Leben gerufen. Beheimatet ist sie im SAP Community Network (SCN), das bereits seit einigen Jahren mehrere große Communities zu SAP-Themen umfasst. Die SAP Training & Education Community stellt eine Interessen-Community dar; die Teilnehmenden sind primär an Informationsaustausch und Kontaktpflege interessiert. Gleichzeitig ist die SAP Training & Education Community in einem kommerziellen Umfeld zu verorten, wobei der Betreiber (SAP Education) Austausch und Zusammenarbeit ermöglicht, über Moderatoren zur Wahrung von Interaktionsregeln beiträgt und über Blogger inhaltliche Impulse setzt.
  2. Die „scil Academy Community“ wurde im September 2012 auf Basis von Yammer als geschlossene Austauschplattform für Teilnehmende und Alumni der scil Weiterbildungsprogramme ins Leben gerufen. Die Initiative hierzu ging von scil aus. Ziele sind das Etablieren eines zusätzlichen Informations- und Kommunikationskanals zu Teilnehmenden und Alumni der scil Weiterbildungsprogramme und vermittelt darüber eine Stärkung der Bindung der Community-Mitglieder an scil als Anbieter von Dienstleistungen im Bereich Weiterbildung und Beratung sowie das Ermöglichen von unkompliziertem informellem Austausch der Teilnehmenden an den Zertifikatsprogrammen (sowie auch der Alumni dieser Programme) untereinander.

Die beiden online Lerngemeinschaften werden in dem Beitrag auf die Ausgestaltung im Hinblick auf ausgewählte Erfolgsfaktoren analysiert. Die beiden kurzen Fallstudien zeigen, dass die betrachteten online Lerngemeinschaften in unterschiedlichen Kontexten stehen und sich auch die Ausprägung der Betreiber-Rolle unterscheidet. Darüber hinaus liegen unterschiedliche Konfigurationen von Zielsetzungen, Zielgruppen, technischen Plattformen, organisatorischer Einbettung, Moderatorenrollen etc. vor.

Für uns ergibt sich daraus als Konsequenz, dass es keine einfache Sequenz von Arbeitsschritten gibt, die für eine erfolgreiche Lancierung von online Lerngemeinschaften durchlaufen werden muss – etwa in dem Sinne, dass zunächst relevante Kooperationsziele für eine bestimmte Zielgruppe identifiziert werden müssen, dann eine technische Plattform ausgewählt und schliesslich eine unterstützende Moderation umgesetzt werden muss. Vielmehr repräsentieren die vier Dimensionen von Erfolgsfaktoren Arbeitsfelder, die für einen nachhaltigen Erfolg von online Lerngemeinschaften mehrfach zu durchlaufen und weiterzuentwickeln sind. Dabei ist die Relevanz der aufgeführten Erfolgsfaktoren jeweils für den konkreten Einzelfall zu prüfen.

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  1. […] “Erfolgsfaktoren für online Lerngemeinschaften” – Informelles Lernen mit Social Media in der betrieblichen Weiterbildung: Erfolgsfaktoren […]

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